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Aus deutscher Sicht, die Präsidentschaftsdebatte in Frankreich

D 22. März 2017     H 16:07     A     C 0 messages


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Bisher war der Wahlkampf in Frankreich von Skandalen überschattet, im TV-Duell sollte es nun um Themen gehen - vor allem aber wurde drei Stunden kräftig gestritten. Im Mittelpunkt: die rechtsextreme Le Pen. Am besten schnitt aber ein anderer ab.

Von Barbara Kostolnik, ARD-Studio Paris

Viel stand auf dem Spiel: in diesem ersten von drei Fernsehduellen. Nervös aber waren zunächst einmal die beiden Moderatoren, die gleich zu Beginn Namen und Vornamen der Kandidaten durcheinanderwarfen: "Jean-Luc Benoît Hamon".

Das linke Duo in Gestalt des extrem Linken Jean Luc Mélenchon und des Sozialisten Benoît Hamon mischte die Runde mächtig auf - mit vereinten Kräften gegen Marine Le Pen, die schon in ihrem ersten Statement zeigte, dass sie sich in der Sache nicht zurückhalten würde: "Ich will Präsidentin Frankreichs werden und nicht die Vizekanzlerin von Angela Merkel."

Wer kam am besten an? Eine Einschätzung von Judith Müllender, ARD Paris

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

Gesellschaft, Wirtschaft und Außenpolitik, diese drei Themenfelder galt es für die fünf Kandidaten zu beherrschen. Der Ton war harsch, vor allem Mélenchon und Le Pen gifteten sich immer wieder an. Vor allem beim Thema Immigration wurde es laut, während Le Pen die Einwanderung auf null zurückfahren möchte, erklärte Mélenchon: "Die Leute verlassen ihre Heimat nicht aus Spaß, wir sollten uns hüten, vom hohen Ross über sie zu urteilen, in Europa gab es viele Menschen, die ihre Heimat verlassen haben und nach Frankreich gegangen sind: Ich bin auch ein Einwandererkind, Ihre Ideen sind Blödsinn."

Streitthema Islam

"Kümmerlich" zischte die Chefin des rechtsextremen Front National als Antwort in Richtung Mélenchon. Aber auch die anderen Kandidaten hatten ihre Scharmützel, vor allem beim Thema "die Rolle des Islam in der Gesellschaft". "Wir sollten lieber Richtung Integration gehen, statt wahltaktisch Kapital aus Ängsten zu schlagen", schoss der Sozialist Hamon gegen Le Pen, während sich der parteilose Emmanuel Macron ereiferte: "Sie gehen in eine Falle, Madame Le Pen, sie machen aus unseren vier Millionen muslimischen Mitbürgern Feinde der Republik, aber nicht mit mir."

Fillon blieb blass

Der Sozialist Hamon, der parteilose Macron und immer wieder der extrem agile und extrem linke Mélenchon brachten Feuer in die Debatte - still blieb nur der konservative Francois Fillon. "Wird das hier eine Debatte zwischen Le Pen und Mélenchon?", seufzte er kurz - um im zweiten Teil, als es um Wirtschaft ging, aufzuwachen und seinerseits Marine Le Pen anzugehen: "Der wahre Serienkiller der französischen Kaufkraft ist Madame Le Pen: Wenn sie aus dem Euro rausgeht, dann haben wir eine galoppierende Inflation und dann kann sich hier niemand mehr etwas leisten."

"Das ist die absolute Leere"

Als es gegen Ende der dreieinhalb Stunden dann um die Transparenz der Abgeordneten ging, um Anti-Korruptions-Bemühungen, und um Frankreichs Platz in der Welt, holte Marine Le Pen noch einmal aus: mit einem vergifteten Kompliment Richtung Macron, ihres aktuellen Hauptkonkurrenten: "Monsieur Macron, sie haben ein Wahnsinnstalent: Sie können sieben Minuten reden, ohne dass ich mich danach nur an ein einziges Thema erinnere, das ist die absolut totale Leere."

Genützt hat die Attacke nicht: In einer Blitzumfrage direkt im Anschluss an die Debatte schnitt Macron am besten ab. Gefühlter Gewinner dieser ersten Runde war jedoch Jean-Luc Mélenchon, der es immer wieder schaffte, einen Treffer zu landen. Zwei Mal haben die Kandidaten und die Kandidatin noch Gelegenheit, über das Medium Fernsehen ihre Argumente vorzubringen und die Franzosen zu überzeugen. Nächster Showdown ist am vierten April.


Online ansehen : TV-Debatte in Frankreich: Alle gegen Le Pen

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